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Selbsthilfeforum für Angehörige SVV-betroffener Menschen
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BeitragVerfasst: Fr 24. Feb 2017, 11:31 
Hallo und danke(!!) dass es bei euch eine Plattform für das gibt in das ich unerwartet hineingestolpert bin. Ich wünsche mir eure Einschätzung für die Situation in die ich durchs Verlieben gekommen bin.

Ich habe einen ganz wundervollen Mann kennengelernt und wir haben ein extrem gutes und tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Ich wusste anhand einiger Eckdaten und Seitenkommentare vorher schon dass er kein leichtes Leben bis jetzt gehabt hat und gestern hat er einen wirklich großen Brocken davon mit mir geteilt. Soweit komme ich klar, das sind Dinge die ich abfangen kann.
Dann hat er sich kurz eine Auszeit gewünscht um Druck abzulassen und da er mir von seiner SVV-Geschichte erzählt hat weiß ich was das heißt.
Zu warten, nicht bei ihm zu sein, nicht zu wissen was er genau macht, nichts an der Situation für ihn verbessern zu können und auch schlicht keine Ahnung zu haben was ich in so einer Situation tun soll/nicht soll oder kann war sehr anspannungsgeladen für mich.

Meine Fragen an euch: Wenn sich jemand mit SVV-Hintergrund explizit dafür zurückzieht, was gilt dann? Einfach machen lassen?
Er hat das seit Jahren, braucht es inzwischen deutlich seltener und ist auf Ausweichtechniken umgestiegen, kam bisher ja auch ohne mich klar und lebt gut. Also ist er der Experte für sein Leben und weiß was er braucht würde ich einerseits annehmen.
Andererseits hätte ich ihn gern davon abgehalten. Aber ich nehme an vorallem für mich selbst, weil ich die Vorstellung dass er sich selbst Schmerzen zufügt für etwas was so oder so schon eine Belastung für ihn ist und wofür er einfach nichts kann sich mit meinem Wunsch dass es ihm gut geht nicht sehr gut vereinbaren lässt.
Ich hab ihm den Platz gelassen, auch wenn es mir schwer fiel, aber ich hab keine Ahnung ob das gut oder richtig ist.
Gibt es irgendwas was ich in der Situation tun kann, oder tunlichst lassen sollte?
Das ist wahrlich neues Terrain für mich und ich bin für eure Einschätzungen, Gedanken, Tipps etc. sehr dankbar! Wobei ich schon so oder so super erleichtert und angetan bin dass es Plattformen dafür gibt!! Es tut so gut zu lesen dass ich damit nicht alleine bin.

Ganz liebe Grüße
Maria Lena (keine Sorge ist kein Klarname, mir fiel nur nichts Lustiges ein)


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BeitragVerfasst: Fr 24. Feb 2017, 20:43 
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Registriert: Sa 21. Jul 2012, 17:35
Beiträge: 3232
Wohnort: Berlin
Status: Angehörige/r
Liebe Maria Lena,
aus der Ferne würde ich erst mal sagen, dass du mit deiner gewährenlassenden Halrung erst mal nichts "falsch" gemacht hast. Du signalisierst deinem Freund, dass du ihm vertraust. Dennoch wäre jetzt vielleicht ein nächster Schritt, dass ihr noch einmal über die Situation reden könnt, die da zwischen euch entstanden ist? So ehrlich, wie er zu dir sein kann, kannst du ihm ja auch sagen, dass es dich verunsichert und dir auch ein wenig weh tut, dass du ihm in dem Moment gar nicht beistehen kannst? Vielleicht findet ihr im Gespräch miteinander neue Möglichkeiten. Für ihn ist es ja wahrscheinlich auch ungewohnt, wenn er unter Druck steht, dass es da plötzlich jemanden gibt, den das irgendwie auch betrifft ...
Ich vermute, wenn du auch Antworten von vom SvV Betroffenen haben möchtest, wäre es hilfreich, wenn du dich anmelden würdest und die Moderatoren bittest, das Thema in einen Bereich zu verschieben, wo nur Angemeldete lesen können ...
Liebe Grüße,
Nachteule

_________________
Before each beginning there must be an ending, sitting in the rubble, I can see the stars. This is the unmaking!
(Nichole Nordeman)


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BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2017, 17:26 
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Registriert: Do 8. Sep 2011, 16:55
Beiträge: 6364
Wohnort: Land zwischen den Meeren
Status: Betroffene/r
Huhu,

erstmal kann ich Nachteule nur zustimmen. Die Idee mit ihm darüber zu sprechen finde ich sehr gut.

Ich selbst bin Betroffene. Ich käme gar nicht auf die Idee, meinem Gegenüber zuzumuten, dass er / sie weiß, dass ich mich, mich nur deshalb zurückziehe, weil ich mich verletzten will. Das ist irgendwie total abwegig für mich. Wenn es passiert, dann allein im stillen Kämmerlein, ohne das Wissen der anderen. Ich könnte das gar nicht, mich verletzten, wenn jemand weiß, dass ich es gerade tue. Dieser Gedanke daran fühlt sich für mich total fremd an.

Vielleicht hat er auch einfach nur eine Auszeit und Rückzugszeit für sich gebraucht? das kenne ich von mir auch, dass ich meiner Familie / Freunden sage, jetzt brauche ich Zeit für mich. Jetzt ist der Akku leer und / oder ich bin Reizüberflutet und benötige deshalb eine Auszeit.
Könnte es vielleicht auch so gewesen sein?

LG
vinter

_________________
Mit allem Großen ist es wie mit dem Sturm. Der Schwache verflucht ihn mit jedem
Atemzug, der Starke stellt sich mit Lust dahin, wo's am heftigsten weht.
~~Christian Morgenstern~~


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BeitragVerfasst: So 26. Feb 2017, 00:01 
Hallo!

Ich selbst bin auch auf der Seite der Betroffenen, aber ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen, dass ich mich auch gerne zurück gezogen habe/ zurück ziehe, wenn es mir zu viel wird. ABER mein Ex Freund (Es ist aus anderen Gründen auseinander gegangen) hat mir dann iwann mitgeteilt, dass ihn das verletzt und er mir gerne beistehen würde. Und wir haben dann gemeinsam darüber gesprochen, dass ich in diesen Moment so mit mir beschäftigt bin, dass ich eine mega schlechte Gesprächspartnerin bin/war und wir haben dann ausgemacht, dass er versucht mich abzulenken und einfach mir beistand gibt.
Erklär ihm vorsichtig deine Situation, aber setz ihn bitte nicht unter Druck.

Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: Mo 27. Feb 2017, 00:16 
Danke für eure Antworten!

Wir haben darüber geredet und er war sogar so offen mir zu sagen was er gemacht und gedacht und gelassen hat.
Er weiß dass ich mir zusätzliche Unterstützung im Forum suche und warum.
Ich bin extrem dankbar dass er mir sagen kann dass er die Zeit braucht und wofür! Ich will nicht dass er Ausreden erfinden muss. Außerdem würde ich es sonst vermuten.
Es wäre auch zu viel gesagt dass es mich verletzt wenn er das tut. Ich mache mir in dem Moment Sorgen um ihn, vorallem weil ich das nicht kenne und nicht weiß was das heißt. Was jemand in dieser Situation brauchen kann und was langfristig nicht sehr klug wäre.

@Darkangel, den Gedanken dass du mit deinem Freund reden konntest in der Zeit ist spannend. Hat das geholfen? Sich langfristig für dich besser angefühlt, oder war das vorallem um ihm nicht weh zu tun dein Kompromiss? Eher als Anteilnahme, Zuneigung und Unterstützung, oder als zusätzlichen sozialen Druck und das Versperren eines Auswegs aus der Situation von dem du weißt dass er dich entlastet hätte? Kannst du das als Betroffene weiterempfehlen oder eher nicht? Ich mag ihm ja nicht noch mehr Druck auflasten in diesen Situationen und nur das Ventil wegnehmen während drinnen es immer noch genauso auf ihm lastet.

Ich hoffe ich darf dich das so fragen und trete dir nicht zu nah! Es wäre für mich sehr hilfreich, aber teil das bitte nur mit uns wenn das für dich in Ordnung ist.
Vielen, vielen Dank!
Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: Mo 27. Feb 2017, 15:51 
[quote="Maria Lena"]
@Darkangel, den Gedanken dass du mit deinem Freund reden konntest in der Zeit ist spannend. Hat das geholfen? Sich langfristig für dich besser angefühlt, oder war das vorallem um ihm nicht weh zu tun dein Kompromiss? Eher als Anteilnahme, Zuneigung und Unterstützung, oder als zusätzlichen sozialen Druck und das Versperren eines Auswegs aus der Situation von dem du weißt dass er dich entlastet hätte? Kannst du das als Betroffene weiterempfehlen oder eher nicht? Ich mag ihm ja nicht noch mehr Druck auflasten in diesen Situationen und nur das Ventil wegnehmen während drinnen es immer noch genauso auf ihm lastet.[/quote]

Hallo Maria Lena :)

Als Kompromiss würde ich das nicht ansehen, da es meine Entscheidung war ihn darin einzubeziehen. Ich hätte ja auch einfach sagen können "lass mich mal xy Minuten allein". Und reden war teilweise schon eine echte Hilfe, weil man selbst genauer darüber nachdenken muss. Ich musste ihm in dem Moment ja erklären können, woher das Verlangen kam und oft habe ich selbst festgestellt, dass der Grund einfach nicht das Problem war.
Es war gemischt. Ich habe mich darüber gefreut, dass er Anteilnahme gezeigt hat und er auf mich eingehen gegangen ist und mir echt geholfen hat. Und natürlich war mir dabei auch bewusst, dass ich ihm - wenn ich dem Druck nachgebe - mega verletzten würde. Aber ich habe das nicht als zusätzlichen Druck empfunden, eher als Anreiz stärker zu sein als das Verlangen danach. Dann hatten wir nämlich beide einen Grund uns zu freuen :)

Meine Meinung nach ist die Grandwanderung zwischen Untersützung und unter Druck setzen relativ schmal. Mein Ex fing iwann an mich in eine Therapie drängen zu wollen. Ich bin exakt einmal (ihm zu liebe) zu so einem Gespräch gegangen und war hinterher fix und fertig und habe für mich persönlich beschlossen: NIE wieder! (Wobei er mich auch bei diesem Schritt begleitet hätte, wenn ich es gewollt hätte).
Biet ihm gerne deine Hilfe an, aber komm bitte nicht mit solchen Sachen wie "Mir tut das viel mehr weh als dir" oder "Wenn du das jetzt wieder machst, dann..." Damit löst man bei mir einen riesigen sozialen Druck aus und ich ziehe mich eher zurück, als das ich mich öffne.

Frag ihn einfach direkt, wie du ihn in solchen Situationen helfen kannst (Ablenkung, spazieren gehen, reden, ihn eine Zeit alleine lassen und dann was gemeinsam machen...).

Ich hoffe ihr konnte dir helfen :) Ansonsten: Einfach wieder fragen!!

Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: Mo 27. Feb 2017, 19:52 
Vielen, vielen Dank Darkangel!
Deine Einschätzung ist mir eine große Hilfe.


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