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 Betreff des Beitrags: Gedanken zum Sein
BeitragVerfasst: Fr 5. Mai 2017, 16:24 
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Registriert: Mi 12. Apr 2017, 22:03
Beiträge: 4
Wohnort: Dortmund
Status: Betroffene/r
Ich habe das Gefühl, dass der Kampf um das Leben nie zu Ende geht. Der Kampf um eine lebenswerte Existenz. Es ist mein Kampf, Glück zulassen zu können, ohne daran zu zerbrechen. Meine inneren Mauern aufrecht zu erhalten und gleichzeitig zu durchbrechen. Mich selbst zuzulassen, ohne mich zu hassen und in Frage zu stellen.
Ich stelle mir jeden Tag mindestens einmal die Frage, was meine Existenz ausmacht und wozu ich da bin. Ob das, was ich mache und das was ich anstrebe wirklich das ist, was ich will. Viele der Personen, die mir nahe stehen, zumindest das, was dem am nächsten kommt, sagen mir ich sei zu verkopft. Ich soll einfach aufhören zu denken und Dinge zulassen. Aber wenn ich aufhöre zu denken, ist es still um mich. So still, dass es ohrenbetäubend ist. So still, dass selbst das Blinzeln dem Lärmpegel einer Baustelle entspricht. Es ist so still, dass die Wunden auf meinen Armen anfangen zu schmerzen. Und dieser Schmerz lässt Emotionen schreien, die schweigen, wenn es laut ist. Wenn alles in Bewegung ist.
Ich bewege mich, um Ruhe zu finden. Meine Gedanken kreisen, damit mein Kopf Entspannung findet. 24/7 bin ich in Bewegung und die Last auf meinen Schultern spüre ich nicht, weil ich in einem Meer aus Betäubung schwimme. Und ab und zu da leert sich das Becken, der Wasserspiegel sinkt. Das schwimmen wird schwerer und die Panik steigt, weil ich Angst habe zu ertrinken. Und dann trinke ich bewusstseinsbeeinflussende Flüssigkeiten, um den Spiegel auszugleichen und wieder im betäubenden Meer zu treiben. Und ich denke, dass das mein Leben ist. Die Zukunft liegt dar, wie zahlreiche Inseln mitten auf dem Ozean. Nicht unerreichbar. Nicht außer Sicht. Ich schwimme, um in Bewegung zu bleiben, um nicht zu erfrieren, aber ich schaffe es nicht.
Denn jede noch so kleine Niederlage, jedes unbedeutend scheinende Wort, jeder kluge Gedanke ist eine Welle so hoch, wie der Ozean tief ist. Ich schrieb vor einiger Zeit mal: „In einem Meer aus Tränen, schlägt die Verzweiflung große Wellen und lässt Dich ertrinken.“ Und so fühlt es sich an. Ich ertrinke in Hoffnungen, Chancen und Freundschaften, weil mir die Kraft fehlt, sie zu behalten. Aber wie soll das auch gehen, wenn ich immerzu schwimme? Ohne Halt in meinem Ozean. Wie soll das gehen, wenn meine Einzigartigkeit und mein Anderssein Fesseln der Einsamkeit schaffen?
Von ihr werde ich gehalten, an einem Fleck. Es ist vergleichbar mit einer Quelle mitten in der Wüste. Faszinierend, Freude bringend, bis man entdeckt, dass man im Treibsand feststeckt. Und viele bemerken es zu spät und gehen in mir unter. Andere ziehen sich früh genug wieder heraus. Von diesem Ort werden Legenden erzählt. Faszinierend, wenn man bereit ist bis ans Ende zu gehen. Und ich kann das niemandem raten. Ich halte jeden auf Abstand, weil ich selbst nicht bereit bin für mich ans Ende zu gehen. Und so verweile ich auf dieser Erde. Schlucke ab und zu Beziehungen, um Nahrung zu erhalten. Trinke gelegentlich Liebe, weil man Salzwasser nicht trinken kann. Wenn ich dann mal wieder alleine bin, so ganz mit mir selbst, dem Meer und den Inseln, hänge ich Zettel auf, spanne | editiert | Fäden, bis ein Netz entsteht, lehne mich zurück und dann warte ich. Und ich schaue hin. Ganz genau. Bis ich den Überblick verliere, weil ich im Auge eines Tornados stehe. Der einzige Weg raus, ist den | editiert | Faden zu ziehen, sodass alles ineinander zerfällt.


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